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Zweckfreundschaft in Zwickau

 

 

 

Am 22.05.1997 um 10:30 Uhr war es wieder soweit!  Eine kleine , aber feine Fangemeinde machte sich mit dem Bus auf, um ihren 1.FCK zur Abschiedstournee durch die zweite Liga zu begleiten.  Es ging mal wieder in die neuen Bundesländer.  Die Fahrt war zwar lang, jedoch sollten wir einiges zur Entschädigung erleben.  Man vertrieb sich die Zeit mit hochinteressanten  und fachlich kompetenten  Diskussionen über die Mannschaft, sowie mit dem Begießen des Aufstieges.  Die Folge war zunächst gute Stimmung, jedoch tauchte unweigerlich ein riesiges Problem auf.  Die Toiletten waren voll.  Na ja, wie die Betze-Fans so sind , bekamen wir auch dieses Malheur  in den Griff.

Endlich nach 6 1/2 Stunden Fahrt sahen wir die ersten Wegweiser ‘Westsachsenstadion’ und niemand ahnte bislang , was uns dort zu erwarten hatte.  Am Stadion angekommen, wurden wir gleich von einem Polizeiaufgebot empfangen, auf welches so manche Demo stolz gewesen wäre.

Die Hürde der Leibesvisitation genommen, begaben wir uns ins Stadion und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.  Sprüche wie zum  Beispiel: ‘ und das ist ein Stadion ‘ waren noch harmlos.  Die Arena bestand aus genau 6 Stahltribünen und dem Marathontor als Haupttribüne.  Immerhin kamen wir in den Genuss von Sitzplätzen.  Nein, die Stimmung kann sich in diesem ‘ Station ‘ nicht entwickeln, so dachten die meisten zunächst.  Wir  wurden allerdings eines besseren belehrt.  Schon beim Einlauf der Mannschaften  waren wir angenehm überrascht.  Eine  unheimliche Trommelmusik hallte durch das Stadion und die ‘ Bengalischen Feuer ‘ wirkten ziemlich Furcht einflößend.  Während des Spieles von Wismut Aue-Fans unterstützt, gaben wir so manche Schlachtrufe zum Besten.  Die Zwickauer Fangemeinde stand uns in nichts nach.  Als Zwickau dann auch noch mit 2:1 in Führung ging, war es nur noch ein tobendes Tollhaus.  Wir hatten dem nichts mehr entgegenzusetzen und versteiften uns dann auf ‘ Scheiß Waldhof  ‘ - Rufe, die in Zwickau angesichts der momentanen Tabellensituation herzlich willkommen waren.

So gingen wir nach 90 Minuten mit einem lachenden und einem weinenden Auge wieder zum Bus.  Dort spielten sich mittlerweile chaotische Dinge ab.  Man konnte die Zwickau-Fans gar nicht mehr zählen, die darum baten,  dass der FCK gegen Waldhof gewinnen solle.  Außerdem wurden Schals getauscht und eine Welle der Sympathie schwappte uns entgegen ( bzgl. des Aufstiegs ).  Man bekam viele Glückwünsche übermittelt, was uns eigentlich sehr erstaunte, da man kurz nach der Wende im Osten eher schlechte Erfahrungen sammelte.  Nach einer knappen Stunde zelebrieren, mussten wir dann die Rückreise antreten, selbst da wurden wir noch angenehm überrascht.

Neben dem Winken und Singen der Zwickau-Fans, gab’s auch noch Winker der Polizei.  Außerdem bekamen wir noch bis zur Autobahnauffahrt eine eigene Polizeieskorte mit Blaulicht.  Unser Bus durfte an allen Staus vorbeifahren ( auf der Gegenfahrbahn wohlgemerkt! ) und sogar rote Ampeln hatten für uns keine Gültigkeit.  Man hatte das Gefühl, dass nicht die Mannschaften, sondern wir die Fans, der Star des Abends waren.

War es nur eine Zweckfreundschaft damit Zwickau in der Liga bleibt, oder war es wie in so vielen Stadien der 2. Liga wirkliche Sympathie für den FCK ???  Man wird es wohl nie erfahren.

Ich bin jedenfalls der Meinung, dass sich die Ostfans so manche Negativschlagzeile ersparen könnten, wenn sie sich an den Zwickauer oder den Fans von Jena eine Scheibe abschneiden würden !

 

Esther Schröck, den 22.05.1997

 

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